Sprache

„Die Seele des Menschen ist unaussprechlich“ dies hat schon Johann Gottfried Herder (1744-1803) in seiner Abhandlung über den Ursprung der Sprache festgestellt.

Für das Erlernen der Sprache ist hören  –  also das Ohr – das entscheidende Werkzeug. Wir sind nicht nur stille, fühlende Geschöpfe und produzieren daraus „Geflüster“ oder „Geplapper“. Wir können hören und dadurch das Gehörte rezipieren. Durch das Hören lernen wir Sprache. Über das Gehör werden wir an die Sprache herangeführt, wir werden uns gewahr – wir leben. Dadurch können wir handeln.
Hören ist Merken. Durch Merken wird Aufmerksamkeit erzeugt und dadurch wird „etwas“ in die Aufmerksamkeit aufgenommen. Nicht nur das, sondern daraus folgt Reflexion. Das ist der Moment für die Schaffung von Kunst, Kultur und Sprache. Der Moment des überraschenden Augenblicks, verbunden aus der inneren Welt.

Am Anfang steht das hören – zuhören. Bewusst hören, genau hinhören. Den Gehörsinn schärfen – ich höre, ich bin. Für die Kommunikation ist hören die wichtigste Voraussetzung. Die Kunst zuzuhören.

Die letzte Bestimmtheit für die Bedeutung des Gesprochenen liegt im Individuum selbst. Diese kann nicht nach außen gebracht werden. Jeder Versuch wird scheitern.

„Keiner denkt bei dem Wort gerade und genau das, was der andre, und die noch so kleine Verschiedenheit zittert, wie ein Kreis im Wasser, durch die ganze Sprache fort.“*

Wie funktioniert nun Kommunikation? Welchen Beitrag kann der Mensch als verschlossenes Wesen zur Kommunikation leisten, wenn er nicht fähig ist das nach außen zu bringen was es genau ist?

Gute Kommunikation ist die Suche nach der Wirklichkeit. Sich Zeit nehmen – „Denkschleifen“ zulassen. Das Gehörte „setzen“ lassen – innerlich verschiedene Standpunkte einnehmen. Die wahrgenommene Botschaft mit dem unaussprechlichen Teil in uns in Verbindung bringen. Die Fähigkeit der Empathie – sich in den anderen Menschen hineindenken, seine Position verstehen zu wollen, sich seiner annehmen.

Hören, ohne zu Bewerten, einzuordnen – wahrnehmen ohne Bedingung – reine Hingabe. Alle Versuche werden in letzter Konsequenz scheitern, aber die Chance sich ein kleines Stück näher zu kommen ist groß.

Bevor wir sprechen, also einen Gedanken in Worte nach außen bringen, ist das Hören der eigentliche Vorgang für die Kommunikation. Die Verwechslung, dass das „perfekte Sprechen“, die Gabe zu formulieren und zusammenhängende Sätze in Sprache umzusetzen die Voraussetzung für eine „gute“ Kommunikation sein sollte, kann unter dieser Betrachtung nicht gelten. Seien wir also vorsichtig gegenüber vielsprechenden Menschen, gegenüber schnell sprechenden Menschen. Welche Automatismen stecken hinter den Äußerungen. Welche Glaubenssätze werden so rezipiert und in ein passendes „Kleid“ der Sprache verpackt.

* Wilhelm von Humboldt, „Über die Verschiedenheit des menschlichen Sprachbues und ihren Einfluß auf die geistige Entwicklung des Menschengeschlechts“, Berlin 1836, S. 64

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